Subtile Veränderung

Aktualisiert: 20. Mai 2021

Der neue sprachliche Abstand…


Dass diese momentane, weltweite Krise mit uns allen etwas macht, ist offensichtlich. Auch logisch und war auch irgendwie klar. So klar war aber vermutlich niemandem, dass diese so lange andauert (und auch noch einige Zeit andauern wird). Abgesehen davon, dass so viel menschliches Leid erlebt wird, sind so viele Lebensbereiche mittelbar oder unmittelbar betroffen und ist alles in Veränderung. Da kann man sich noch so oft vorsagen, ja, klar das Leben ist Veränderung! Immer, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Aber muss das jetzt so sein? Jetzt und so, und auf diese Art? Eine gewisse Bereitschaft zu Veränderung(en) trägt wohl jeder Mensch in sich. Nicht nur ich stelle mir die Frage, wo denn da die Lernaufgabe ist, für die Menschheit und für mich.


Aus der Geschichte wissen wir, dass es Krisen und Veränderungen immer gegeben hat…


„Konfrontation - Bewältigung - Akzeptanz”.”



Nach dem Schock – vor der Neuorientierung…


...und neue Verhaltensweisen....


Vielleicht ist es dir auch schon aufgefallen oder du hast es selbst beobachtet oder erlebst es. Ich hatte gestern so ein Erlebnis, eigentlich zwei, die sich aber so ähnlich waren, dass sie mir erst viel später bewusst wurden. Ich war beim Friseur. Grundsätzlich etwas sehr Angenehmes, denn im Normalfall geht man mit einem viel besseren Gefühl von seiner Friseurin weg (ich bleib hier beim weiblichen, denn ich war seit gefühlten 20 Jahren bei keinem Friseur mehr), als man gekommen ist. Zumindest geht es mir so, dass ich dann meist beschwingt mit einem Gefühl von „hach, schön“ den Friseursalon wieder verlasse. Gestern aber schwang ein eigenartiges Gefühl mit und das resultierte nicht im Geringsten daraus, dass ich mich nicht „schön“ fühlte. Ich konnte dieses Gefühl nur noch nicht zuordnen.

Nachdem ich am Morgen „frisch testen war“ (eine Kollegin meinte vor kurzem lakonisch: Nasenbohren am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen…), schaute ich auch gleich bei meiner Fotografin vorbei, denn ich benötigte Passfotos. Fröhlich sie zu sehen betrat ich das Geschäft und plötzlich war dieses Gefühl, welches ich nach dem Friseurbesuch nicht zuordnen konnte, wieder da. Wir begrüßten uns und unterhielten uns kurz und ich bekam meine Passfotos (schrecklich, diese Grimasse macht die schönste Frisur nicht wett), und dann war ich auch schon wieder aus dem Geschäft. Erst viel später am Abend, als ich den Tag so revuepassieren ließ, kam mir dieses Gefühl wieder in den Sinn. Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen.


Es ist diese neue sprachliche Normalität!


Nicht nur im Verhalten haben wir Menschen uns verändert! Wir geben uns bei der Begrüßung keine Hand mehr. Wir umarmen uns nicht mehr zur Begrüßung. Das Busserl links und rechts existiert erst recht nicht mehr. Ist auch gut so, im Moment! Aber, dass wir uns sprachlich auch so verhalten, das wurde mir am Abend bewusst. Dieser körperliche Abstand hat auch in unserer Sprache und unserem Reden miteinander zu existieren begonnen.


Auf einfachste Fragen: „Und, wie geht es dir?“ oder „Was machen deine Kinder?“ und „Was gibt es Neues?“ kommen einfache, ausweichende, fast nichtssagende Antworten. In einer Zeit, wo unsere Mimik auf Grund der Schutzmasken verschwunden ist, und wir uns auf die Augen und Gestik unseres Gegenübers konzentrieren müssen, verschwindet da auch unsere Sprache? Sind wir sprachlos geworden? Sind das die Schutzmasken? Schützen wir uns damit auch noch vor etwas anderem? Ich weiß es nicht. Aber es macht mich nachdenklich. Denn über Sprache und Worte können wir uns (zusätzlich) ausdrücken. Die Betonung von Worten, das Ausschmücken von Sätzen das alles kann uns ein Gefühl von Nähe geben. Die Nähe die uns momentan trennt.


Wo kannst du bewusst Worte einsetzen und damit Nähe anstatt Distanz schaffen?

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